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Definition Infektionen

Infektionen bei Neutropenie - Diagnostik und Therapie 2006 - Empfehlungen für die Praxis

Fieber unklarer Genese bzw. unerklärtes Fieber

Als unerklärtes Fieber ("fever of unknown origin", FUO) wird neu aufgetretenes Fieber ohne richtungweisende klinische oder mikrobiologische Infektionsbefunde gewertet: Fieber einmalig (oral), ohne erkennbare Ursache, von >/= 38,3°C oder >/= 38,0°C für mindestens eine Stunde anhaltend oder zweimal innerhalb von 12 Stunden; dieses Fieber muss als Infektionszeichen gewertet werden

Klinisch gesicherte Infektion

Fieber in Verbindung mit diagnostisch wegweisendem, lokalisiertem Befund, z.B. Pneumonie, Haut-Bindegewebe-Infektion u.a

Mikrobiologisch gesicherte Infektion mit oder ohne Bakteriämie oder Fungämie

Erregernachweis zeitlich und mikrobiologisch plausibel neben lokalisierbarem Infektionsbefund oder Infektionserreger in der Blutkultur

Bei Koagulase-negativen Staphylokokken und Corynebacterium Species ist der zweimalige Nachweis aus separat entnommenen Blutkulturen beweisend, bei einmaligem Nachweis: V.a. Kontamination; Aspergillus-Galactomannan Antigen im Serum: Positive, ansteigende Werte sind suggestiv und erfordern weitere Diagnostik (hochauflösende Thorax-CT)

Lungeninfiltrate

Mikrobiologisch gesichert, wenn folgende Erreger nachgewiesen werden:

Gramnegative Aerobier, Pneumokokken, Mycobacterium tuberculosis; Aspergillus spp.; Pneumocystis jiroveci aus bronchoskopisch gewonnenem Material oder Sputum; Cytomegalievirus (CMV) aus Schnellkultur oder Nachweis des CMV-"Immediate Early Antigens"

Nachweis von Pneumokokken, vergrünenden Streptokokken oder gramnegativen Aerobiern aus der Blutkultur; jeglicher Keimnachweis aus Biopsiematerial; Legionellen-Antigen im Urin; Hinweis auf invasive Aspergillus-Infektion: Aspergillus-Galactomannan Antigen aus Blut.

Ätiologisch unbedeutende mikrobiologische Befunde für Lungeninfiltrate, siehe Checkliste B.

Checkliste B: Ätiologisch unbedeutende mikrobiologische Befunde für Lungeninfiltrate

Enterokokken aus der Blutkultur, aus Abstrichen, Sputum oder BAL; koagulase-negative Staphylokokken oder Corynebacterium spp. aus jedwedem Material; Candida spp. aus Abstrichen, Saliva, Sputum, Trachealsekret oder bronchoalveolärer Lavage; jeglicher Keimnachweis aus Überwachungskulturen, Stuhl- oder Urinkulturen

CAVE: Es kann dennoch eine kausale Relevanz dieses Keimnachweises für anderweitige Infektionen vorliegen.

Anderweitige Befunde, beispielsweise Staphylococcus aureus oder Legionellen aus respiratorischen Sekreten, bedürfen jeweils der kritischen Gewichtung hinsichtlich ihrer ätiologischen Bedeutung (Beratung mit der Infektiologie oder Mikrobiologie empfohlen), bevor sie zum Anlass genommen werden, die antimikrobielle Therapie zu modifizieren.

Abdominelle Infektionssymptome

Clostridium difficile mit Toxinnachweis aus der Stuhlprobe als Erregersicherung akzeptiert; andere potenziell pathogene Erreger in mindestens zwei konsekutiven Stuhlproben.

Venenkatheterassoziierte Infektionen

Positive Blutkultur und gleicher Infektionserreger aus entferntem Kathetermaterial oder im Abstrich von entzündeter Einstichstelle.

Harnwegsinfektionen

Pathogene Erreger in signifikanter Keimzahl

Wundinfektionen

Keimnachweis aus Abstrich- oder Punktionsmaterial